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Nachhaltige Forstwirtschaft in Deutschland
Den Wald trotz vieler Bäume sehen

Vom Expodach über das Einfamilienhaus bis hin zum Kinderspielzeug - Holz gehört in Deutschland heute zu den beliebtesten Materialien für alle Einsatzbereiche. Seine besondere Ästhetik will niemand in seinem täglichen Umfeld missen, und mehr denn je schätzen wir Holz als einen natürlichen Rohstoff mit unvergleichlich positiver Ökobilanz.

Gleichzeitig liegt uns der Wald am Herzen. Mit einem Anteil von etwa 30 Prozent der Gesamtfläche erleben wir ihn als wesentlichen Bestandteil unserer Kulturlandschaft, als Erholungsraum und wertvolles Ökosystem. Oftmals ausgeblendet wird seine Funktion als ‚Produktionsstätte‘ eben dieses Rohstoffes Holz: Jährlich werden in Deutschland 40 Mio. Kubikmeter Holz geerntet. Dass man in unserem Land Holz so intensiv – und sogar noch in weit höherem Umfang als bisher – nutzen kann, ohne die Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes zu beeinträchtigen, ist Verdienst der nachhaltigen Forstwirtschaft.



Der Wald in Deutschland hat eine breit gefächerte Eigentums- und Betriebsstruktur. Er befindet sich zu 46 Prozent in der Hand von 1,3 Mio. privater Eigentümer, zu 20 Prozent im Eigentum von Körperschaften, die Länder besitzen 31 Prozent und der Bund 3 Prozent des Waldes. Derzeit finden rund 75.000 Menschen eine Vollzeitbeschäftigung in der Forstwirtschaft, 100.000 arbeiten hier im Nebenerwerb und 750.000 Beschäftigte zählt die Hollzwirtschaft. Zahlreiche private Waldbesitzer nutzen ihre Bestände als zusätzliche Einnahmequelle und Vermögensanlage. Über 90 Prozent der Einkünfte stammen aus dem Holzverkauf, der jährliche Erlös der Forstwirtschaft aus dem Holzverkauf liegt bei etwa 1,8 Mrd. €.

Die Waldbewirtschaftung unterliegt strengen gesetzlichen Auflagen. Das Bundeswaldgesetz und die Landeswaldgesetze stellen sicher, dass die Nutzung des Rohstoffes Holz durch die deutsche Forstwirtschaft uneingeschränkt nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit erfolgt. Um dem Verbraucher hierüber einen Nachweis zu liefern, unterzieht sich die Forstwirtschaft jetzt einer freiwilligen Zertifizierung: Das Prüfverfahren durch unabhängige Experten stellt dabei sicher, dass die Pflege und Bewirtschaftung des Waldes seine natürlichen ökologischen Funktionen bis ins kleinste Detail respektiert und unterstützt.

Nachhaltigkeit in der Praxis

In Folge der Konferenz von Rio entwickelten die europäischen Staaten die so genannten Helsinki-Kriterien für eine nachhaltige, umweltverträgliche Waldbewirtschaftung. Sie messen dem Schutz des Waldes als Ökosystem mit seiner Bedeutung für Artenvielfalt, Boden-, Wasser- und Klimaqualität vorrangige Bedeutung zu. Leitbild des nachhaltig bewirtschafteten Waldes ist das naturnahe Waldökosystem, das in seinem quantitativen und qualitativen Bestand durch die Holznutzung nicht gefährdet werden darf.

Das bedeutet beispielsweise, dass nicht mehr Holz geerntet wird als natürlicherweise nachwächst – ein Prinzip, das in Deutschland bereits seit 250 Jahren Berücksichtigung findet. Dazu werden Waldbestände systematisch und unter Berücksichtigung der natürlichen Gegebenheiten am Standort verjüngt und schädliche Eingriffe in das Ökosystem unterbleiben.

Kahlschläge, der Einsatz von Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmitteln sowie Maßnahmen, die in die natürlichen Bodenstrukturen und Bewässerungssysteme eingreifen, bleiben – sofern überhaupt zulässig – auf ein ökologisch vertretbares Minimum beschränkt. Auch die Holzernte im Wald darf nur schonend und mit geeignetem Gerät durchgeführt werden, der Transport des Holzes muss auf befestigten Wegen erfolgen. Wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen sichern die Waldbesitzer und Forstleute, indem sie einzelne Waldbereiche nicht bzw. mit ausgewählten Pflegemaßnahmen bewirtschaften.



Diese Selbstverpflichtung spiegelt eine Praxis wider, die in Deutschland in der Forstwirtschaft seit vielen Generationen selbstverständlich ist. Insbesondere bei den privaten Waldbesitzern schaffen tiefe persönliche Bindungen an Wald und Waldwirtschaft, ebenso wie das daraus gewachsene forstwirtschaflichen Fachwissen, die natürliche Basis für eine langfristig verantwortliche Nutzung des Waldes.

Wirtschaften für die Allgemeinheit

Dass der Erhalt der Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes durchaus praktisch und wirtschaftlich aufwendig ist, vermag man sich unschwer vorzustellen: Im ‚Betrieb‘ Wald ist für die Allgemeinheit jahraus jahrein ‚Tag der offenen Tür‘; er muss aktiv gepflegt und für künftige Generationen erhalten werden.

Insgesamt 230 Mio. € oder 24,50 € pro Hektar muss die Deutsche Forstwirtschaft pro Jahr hierfür insgesamt aufwenden. Die Einnahmen aus dem Erholungs- und Freizeitraum Wald sind im Vergleich dazu zu vernachlässigen: Sie decken weniger als zwei Prozent der Belastungen. Einen staatlichen Ausgleich gibt es für diese Aufwendungen nicht.

Entgegen der weltweiten Entwicklung nahm die Gesamtwaldfläche der Bundesrepublik dank der Anstrengungen der Forstwirtschaft seit 1960 um rund 500.000 Hektar zu. Dem derzeitigen jährlichen Holzeinschlag von 40 Mio. Kubikmetern steht aktuell ein potenzielles und nachhaltig nutzbares Rohstoffaufkommen von 57 Mio. Kubikmetern gegenüber. Dieses Holz kann der Verbraucher guten Gewissens nutzen: Als Produkt nachhaltiger Waldbewirtschaftung leistet heimisches Holz einen aktiven Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz.

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