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Zertifizierung - Nachhaltigkeit mit Brief und Siegel

Der kritische Konsument, der nicht nur seine persönlichen Bedürfnisse sondern auch die Umwelt im Blick hat, steht heute häufig vor einer echten Herausforderung. Konfrontiert mit vielfach widersprüchlichen Informationen fällt es oft nicht leicht, die ‚ökologisch korrekte‘ Produktentscheidung zu treffen.

Selbst beim Kauf von Holz, einem nachwachsenden Rohstoff mit unvergleichlich positiver Ökobilanz, sieht sich der Verbraucher seit einiger Zeit verunsichert: Angesichts mehr oder minder fundierter Berichte, etwa über Waldschäden oder Raubbau an Tropenwäldern, muss man sich fragen, ob der Wald als einzelnes Ökosystem und wesentlicher Teil unserer globalen Umwelt intensive Holznutzung tatsächlich verträgt. Die fachwissenschaftliche Antwort auf diese Frage lautet: ‚Ja – sofern der Wald nachhaltig bewirtschaftet wird!‘

Die deutschen Waldbesitzer wollen jetzt dokumentieren, dass sie die Kriterien einer nachhaltigen Forstwirtschaft erfüllen und unterziehen sich dazu einer freiwilligen Zertifizierung durch unabhängige Experten. Über den Prüfnachweis erhält der Verbraucher die Gewissheit, ein Produkt aus umwelt- und sozialverträglicher Erzeugung zu erwerben.

Ganzheitliche Sichtweise

Die Zertifizierung der Forstwirtschaft betrachtet ökologische, ökonomische und soziale Aspekte im Zusammenhang. Diese ganzheitliche Sichtweise unterscheidet das Nachhaltigkeitszertifikat von den meisten bekannten Gütesystemen. Betrachtet man die tatsächliche Funktionsvielfalt des Waldes, wird deutlich, dass nur ein solch übergreifender Ansatz die Qualität der Waldbewirtschaftung zuverlässig dokumentiert und aussagekräftige Ergebnisse für den Verbraucher liefert.

Zum einen gilt es, die ökonomisch tragende Nutzfunktion des Waldes als Rohstofflieferant und damit relevantem Wirtschaftsfaktor zu sichern und zu entwickeln. Denn auch im Industriestaat Deutschland ist der Wald unverzichtbare Einkommensquelle für Hunderttausende von Menschen. Darüber hinaus ist es aber eine zentrale Verpflichtung nachhaltiger Forstwirtschaft, die unverzichtbaren ökologischen Schutzfunktionen des Waldes zu gewährleisten und weiter zu verbessern. Gleichzeitig spielt der Wald eine gesellschaftlich bedeutende Rolle als Erholungs- und Kulturraum, die bei einer verantwortlichen Bewirtschaftung ebenfalls zu berücksichtigen ist. Nachhaltige Waldbewirtschaftung hält diese drei Hauptfunktionen im Einklang und garantiert so auch dem Endverbraucher ein Produkt aus ökologisch, ökonomisch und sozial verträglicher Herstellung. Bei der Zertifizierung der Forstwirtschaft überprüfen unabhängige Gutachter vor Ort die Waldbewirtschaftung hinsichtlich dieser drei Hauptfunktionen.

Umweltschutz

In Folge der Konferenz von Rio entwickelten die europäischen Staaten die so genannten Helsinki-Kriterien für eine nachhaltige, umweltverträgliche Waldbewirtschaftung. Sie messen dem Schutz des Waldes als Ökosystem mit seiner Bedeutung für Artenvielfalt, Boden-, Wasser- und Klimaqualität vorrangige Bedeutung zu. Entsprechend dieser internationalen Richtlinien ist in der Bundesrepublik das naturnahe Waldökosystem Leitbild des nachhaltig bewirtschafteten Waldes, der in seinem quantitativen und qualitativen Bestand durch die Holznutzung nicht gefährdet werden darf.

Für die Zertifizierung der Forstwirtschaft ist nachzuweisen, dass beispielsweise nicht mehr Holz geerntet wird als natürlicherweise nachwächst, dass Bestände systematisch und unter Berücksichtigung der natürlichen Gegebenheiten am Standort verjüngt werden und dass bei der Bewirtschaftung schädliche Eingriffe in das Ökosystem unterbleiben. Darüber hinaus verpflichten sich Waldbesitzer und Forstleute sogar, einzelne Waldbereiche als Lebensräume für Tiere und Pflanzen nicht zu bewirtschaften, um speziell hier natürliche Zerfalls-, Wachstums- und Besiedlungsprozesse zuzulassen.    

Kahlschläge, der Einsatz von Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmitteln sowie Maßnahmen, die in die natürlichen Bodenstrukturen und Bewässerungssysteme eingreifen, bleiben in der zertifizierten Forstwirtschaft – sofern überhaupt zulässig – auf ein ökologisch vertretbares Minimum beschränkt. Auch die Ernte und Bearbeitung des Holzes im Wald darf nur schonend mit geeignetem Gerät durchgeführt werden. Der Transport des geernteten Holzes muss auf befestigten Wegen erfolgen.

Insgesamt stellt das schriftliche Bekenntnis der Waldbesitzer zu den Zertifizierungskriterien und die Überprüfung durch unabhängige Kontrollen sicher, dass die Pflege und Bewirtschaftung des Waldes seine natürlichen ökologischen Funktionen bis ins kleinste Detail respektiert und unterstützt.

Soziale und ökonomische Verträglichkeit

Die wirtschaftliche Nutzung des Rohstoffs Holz ist auch in der Bundesrepublik unverzichtbarer Bestandteil regionaler Wirtschaftsstrukturen. Überdies können nur gesunde forstwirtschaftliche Betriebe die erforderlichen Einkünfte für die aufwändige Pflege unserer Wälder als Ökosysteme und Erholungsräume erwirtschaften. In diesem Sinne schreibt auch die Staatengemeinschaft die ‚Erhaltung und Förderung der Produktionsfunktion der Wälder‘ in den Helsinki-Richtlinien explizit fest.

In den Zertifizierungskriterien spielt der betriebswirtschaftliche Aspekt dementsprechend eine wesentliche Rolle: Ein qualifiziertes Betriebsmonitoring gewährleistet, dass die Waldbewirtschaftung insgesamt produktiv und effizient durchgeführt wird – auch mit Blick auf die regionale Wirtschaft und die Qualität des Endproduktes.

Nachvollziehbarer Nutzen für alle Beteiligten

Wer die gesetzlichen Richtlinien und die praktische Arbeit der deutschen Forst- und Holzwirtschaft kennt, wird feststellen, dass eigentlich alle für die Zertifizierung geforderten Kriterien schon lange selbstverständlicher Bestandteil der Waldbewirtschaftung sind. Warum also ein zusätzliches Gütesiegel?

Markt und Verbraucher fordern von jedem Hersteller nachvollziehbare und glaubwürdige Qualitäts- und Herkunftsnachweise. Ein Verweis auf die geltende Rechtslage und die gängige Praxis allein schafft in einem komplexen Feld wie der Waldbewirtschaftung heute nicht mehr das notwendige Vertrauen.

Die Zertifizierung der Forstwirtschaft dagegen fasst die Anforderungen an eine nachhaltige, in jeder Hinsicht verantwortliche Waldbewirtschaftung zusammen und macht die Herkunft von Holz für den Verbraucher überprüfbar und vergleichbar. Mit diesem Ziel hat sich mittlerweile die überwiegende Mehrzahl der Waldbesitzer entschlossen, in den Zertifizierungsprozess einzutreten. Rund 6,5 Millionen Hektar Wald sind bereits zertifiziert. In naher Zukunft soll der gesamte Wald in Deutschland flächendeckend zertifiziert sein.

Mit seinen Kaufentscheidungen kann der Verbraucher also das hohe Engagement der beteiligten Unternehmen honorieren und damit aktiv die nachhaltige Waldbewirtschaftung unterstützen. Damit sichert er den Erhalt unserer Wälder für nachfolgende Generationen.    

Zertifizierungssysteme

Für die deutsche Forstwirtschaft haben sich derzeit zwei Zertifizierungssysteme als bedeutend heraus kristallisiert: Das sind das Pan European Forest Certificate (PEFC) und der Forest Stewartship Council (FSC). Beide Zertifikate sind international anerkannt.

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